WEINLESEBERICHT 2022

Das Weinjahr 2022 wird kein Winzer vergessen.


Nach der kleinsten Ernte 2021 folgte mit dem Jahrgang 2022 eine überdurchschnittliche Ernte, mit der nicht zu rechnen war.
Doch fangen wir von vorne an: das Jahr 2022 begann zum Glück ohne Frost mit einem starken frühen Austrieb.
Bereits im Frühjahr machte sich Trockenheit bemerkbar, die sich bis in den Sommer fortsetzte. Da sich bereits seit 2015 Wasserdefizite aufgebaut hatten, war der Unterboden extrem ausgetrocknet. Unser Heimatfluss, die Dreisam, hatte den ganzen Sommer kein Wasser. Die Trockenheit war zwar für den Gesundheitszustand der erwachsenen Reben optimal, weil keine Pilzkrankheiten keimen konnten, allerdings litten die Jungreben sehr unter ihr. Auch Senior-Reben, die auf Böschungskanten stehen, quälte der Trockenstress. Mitte August prägten welke Blätter und kleine, schlaffe Trauben unsere Reblandschaft.
Zwei Wochen vor Lesebeginn brachten 30 mm Niederschlag die Reben zum Aufblühen. Das Wasser wurde buchstäblich von den Pflanzen aufgesaugt. Alles wurde wieder grün, die Trauben straff und prall.
Bereits Ende August starteten wir mit der Lese von Sektgrundweinen und fühlten uns sehr getrieben. Das fehlende Wasser im Unterboden und die schönen, heißen Sonnentage ließen das Mostgewicht sehr schnell ansteigen.
Dementsprechend hektisch schlossen wir nach den Sektgrundweinen die Lese von Grauburgunder und den Trauben für Rosé direkt an.
Ab Mitte September änderte sich die Wetterlage und es wurde herbstlich mit maximal 20 °C und häufigem Regen. Insgesamt hatten wir über 100 mm Niederschlag während der Lese.
Die Mostgewichte stiegen nicht mehr an. Das entspannte und verlängerte die Ernte. Statt wie in den letzten Jahren drei Wochen, waren wir schließlich über sechs Wochen mit dem Heimbringen unserer Trauben beschäftigt.
Der Regen führte zudem zu einer Mehrmenge, mit der niemand gerechnet hatte. Das alte Sprichwort "es regnet Most" wurde wahr! Gott sei Dank war der Regen gut verteilt. An den verregneten Samstagen wurde wesentlich weniger gelesen als in anderen Jahren. Das Keller-Team wurde also dieses Jahr nicht von großen Anstürmen überrannt. Auch können wir positiv auf das Timing zurückblicken, denn jedes Stück und jede Sorte konnte zum optimalen Zeitpunkt gelesen werden. Die Ausbaubedingungen der Weine 2022 sind somit optimal!


Wir schätzen uns sehr zufrieden mit dem Ergebnis des diesjährigen Herbsts.
Wir konnten die kleine Ernte 2021 kompensieren und erhielten Weine, so wie wir es uns vorstellen, mit moderatem Alkohol- und Säuregehalt, verspielt und lebendig.


Noch erfreulicher ist, dass der Kaiserstuhl, und somit auch wir, als der Gewinner von Deutschland gilt. Unsere tiefgründigen Lössböden speicherten zu jeder Zeit noch etwas Wasser für die Reben und nahmen die Niederschläge während der Lese sehr gut auf. Von dem Trockenstress des Sommers merkt man den Weinen wirklich gar nichts an und wir bleiben weiterhin erstaunt über die überdurchschnittliche Qualität und Quantität.


Martin Schmidt