WEINLESEBERICHT 2026

Manchmal schreibt das Wetter die Geschichte eines Jahrgangs! 2026 war ein Jahr, das uns WinzerInnen besonders verwöhnt hat.
Die Lese 2026 begann deutlich früher als ursprünglich geplant. Bereits am 22. August starteten wir mit der Ernte unseres Sektgrundweins. Die Reifeentwicklung war zu diesem Zeitpunkt bereits so weit fortgeschritten, dass wir früher als erwartet mit der Lese beginnen mussten.
Zum Glück waren wir mit dem Sektgrundwein schon so früh dabei. Dadurch bekamen wir einen sehr guten Eindruck davon, wie weit die Reife in den einzelnen Anlagen bereits fortgeschritten war. Anschließend ging es Schlag auf Schlag weiter.
Unser besonderes Augenmerk lag zunächst auf den Burgundersorten. Uns war es wichtig, leichte und elegante Weine in den Keller zu bekommen. Wir wollten an die Stilistik der beiden Vorjahre anknüpfen. Der 2026er sollte deshalb nicht allein durch Stärke und hohe Reife beeindrucken, sondern vor allem durch seine feine, subtile und elegante Art.
Das bedeutete, sehr genau zu entscheiden, welche Rebsorte wir zu welchem Zeitpunkt und für welchen Weinstil ernten wollten. Mittlerweile bewirtschaften und ernten wir über 40 verschiedene Rebsorten, eine enorme Vielfalt und zugleich eine große Herausforderung. Umso wichtiger ist es, für jede Rebsorte die gewünschte Stilistik im Blick zu behalten. Wir ernteten deshalb jeweils die Traubenreife, die wir für den entsprechenden Wein benötigten und konnten so unserer Handschrift treu bleiben.
Das Jahr 2026 war für uns ein echtes Traumjahr. Selten hatten wir so wenige Infektionen durch Mehltaupilze. Das trockene Wetter stoppte deren Entwicklung nahezu vollständig. Gleichzeitig kamen insbesondere unsere alten Reben erstaunlich gut mit der Trockenheit zurecht und entwickelten sich prächtig.
Der Austrieb und auch die Blüte war zunächst gar nicht außergewöhnlich früh. Nach der bekannten 100-Tage-Regel hätte man mit dem Beginn der Lese eigentlich erst im September rechnen können. Dass wir letztlich fast zwei Wochen früher starteten, lag vor allem an den außergewöhnlichen Wetterbedingungen von Juni bis August. Zahlreiche Tage mit Temperaturen von über 40 Grad und überdurchschnittlich viele Sonnenstunden beschleunigten die Reifeentwicklung in einem ungeahnten Ausmaß.
Die Trauben präsentierten sich unglaublich gesund und ausgereift. Es war beeindruckend zu sehen, wie perfekt die Reben mit diesen Bedingungen zurechtkamen. Eine solche Kombination aus Gesundheit, Reife und Traubenqualität erlebt man nicht alle Jahre.
Zum richtigen Zeitpunkt kam dann glücklicherweise auch etwas Niederschlag. Dieser tat den Reben ausgesprochen gut. Sie zeigten noch einmal eine großartige Vitalität und konnten auch bei der Menge etwas zulegen. Was vor der Lese zunächst nicht nach einer durchschnittlichen Erntemenge ausgesehen hatte, entwickelte sich dadurch erfreulich. Wir haben nun eine durchschnittliche Menge im Keller.
Der Niederschlag hatte noch einen weiteren positiven Effekt. Trotz der bereits sehr guten Reife waren wir nicht mehr so stark unter Zeitdruck. Die Mostgewichte liefen uns nicht davon, was vermied, dass die Weine unnötig schwer wurden. So konnten wir die Lese mit der nötigen Ruhe und Präzision durchführen.
Diese entspannte Atmosphäre prägte den gesamten Herbst. Sowohl für unsere Mannschaft draußen im Weinberg als auch für das Kellerteam war die Lese eine außergewöhnlich angenehme und konzentrierte Zeit. Gesunde Trauben, eine hervorragende Reife und optimale Bedingungen ermöglichten ein ruhiges und zielgerichtetes Arbeiten.
Die maximale Reife haben wir bewusst nur bei wenigen Rebsorten ausgenutzt. Besonders stolz sind wir darauf, dass wir erstmals seit 2018 wieder eine Spätburgunder Beerenauslese ernten konnten. Auch Beerenauslesen von Muskateller und Grauburgunder hängen derzeit noch im Weinberg und versprechen besondere Qualitäten.
Gerade bei den Rotweinen zeigt sich die außergewöhnliche Qualität des Jahrgangs bereits jetzt. Wir haben Weine im Keller, die in den kommenden Jahren und vermutlich noch weit darüber hinaus viele unserer Kundinnen und Kunden begeistern werden. In ihnen ist der außergewöhnliche Jahrhundertsommer 2026 bereits deutlich spür- und schmeckbar. Gleichzeitig brauchen diese Weine die notwendige Zeit im Keller, um ihre ganze Größe zu entwickeln.
Nach den beiden eher leichten, mineralischen und verspielten Jahrgängen zuvor zeigt der 2026er eine neue Facette. Er verbindet außergewöhnliche Reife und Kraft mit der Feinheit und Eleganz, die uns bei unseren Weinen besonders wichtig ist. Gerade diese Balance macht den Jahrgang für uns so spannend.
Wir blicken deshalb mit großer Freude auf einen Jahrgang, der uns in vielerlei Hinsicht überrascht und verwöhnt hat. Die frühe Lese, die außergewöhnlich gesunden Trauben, die große Reife und die entspannte Arbeitsweise haben einen Herbst geprägt, an den wir uns noch lange und gerne erinnern werden.
2026 war ein Traumjahr! Ein Jahrgang mit außergewöhnlicher Reife, großer Gesundheit und dem Potenzial, zu einem echten Jahrhundertjahrgang zu werden.